Themenartikel01, Kulturvermittlung

Vom Zuschauen zum Mitmachen

Warum Kulturvermittlung in ländlichen Regionen so wichtig ist

„Kultur gibt dem Menschen Sinn“, sagt Theaterpädagoge und Regisseur Matthias Rankov. Seit 2025 ist er im Vorstand von NEKUDAK, dem Netzwerk für Kulturvermittlung in den Darstellenden Künsten. 2023, 2024 und 2025 führte er zudem den Theaterworkshop der KiKu-Tage durch – einem Pilotprojekt, das speziell für den Kulturbezirk Schwaz entwickelt wurde. Ziel des Formats KiKu-Tage ist es, Kindern auf niederschwellige Weise den Einstieg in Theater, Musik und Malerei zu ermöglichen.

Für viele junge Menschen sind solche Angebote neu – und werden mit Begeisterung angenommen. Denn kindgerechte Kulturangebote, die nach den pädagogischen Leitprinzipien der Kulturvermittlung arbeiten, sind in ländlichen Regionen weniger selbstverständlich als in großen Ballungszentren.


Mehr als ein Museumsbesuch

Kulturvermittlung ist weit mehr als ein Museums- oder Theaterbesuch, der als „Kinderangebot“ gekennzeichnet ist. Es geht vielmehr darum, junge Menschen in Kontakt zu bringen: mit einem Thema, mit Kunst und Kultur – vor allem aber mit sich selbst, der Welt und ihrer eigenen Rolle darin.

„Sich in Kunstformen auszudrücken ist eine Art, sich mitzuteilen. Nicht immer geht das am besten mit Worten. Kunst ist eine Möglichkeit, die eigene Perspektive kennenzulernen und sichtbar zu machen“, erklärt eine langjährige Leiterin einer Bildungseinrichtung.

Kulturvermittlung fördert damit nicht nur den Ausdruck, sondern auch Teilhabe und Kompetenzen, die für die Entwicklung einer eigenen Perspektive und für das Wahrnehmen von sich selbst und anderen wichtig sind.


Partizipation – Kultur aktiv erleben

Für die Umsetzung sind partizipative Angebote entscheidend: Formate, in denen Kinder und Jugendliche aktiv am Prozess von Kunst und Kultur gestaltend mitwirken oder lernen, Ausstellungen und deren Themen wahrzunehmen und kritisch zu reflektieren.

Solche Angebote erfordern oft mehr Aufwand als klassische Veranstaltungen. Kulturvermittler:innen arbeiten in kleinen Gruppen und konzentrieren sich auf Kompetenzentwicklung statt auf die Präsentation vor einer großen Anzahl von Zuschauern. Kurzum: Aktives Tun steht hier dem passiven Zuschauen gegenüber.

Gerade in ländlichen Regionen, wo Infrastruktur und Ressourcen begrenzt sind, ist es verständlich, dass solche Initiativen punktuell statt kontinuierlich angeboten werden. „Die Schule ist oft der einzige Ort, wo Kinder mit Kultur in Berührung kommen“, sagt eine Direktorin im Kulturbezirk Schwaz. Hier anzusetzen ist ein wichtiger Hebel.


Pilotprojekte im Kulturbezirk Schwaz

Die Modellregion Kulturbezirk Schwaz hat neben den KiKu-Tagen ein zweites Pilotprojekt ins Leben gerufen: Museum Mobil. Ziel ist die Vernetzung von Schulen und Bezirksmuseen. Mit mobilen Konzepten kommen die Museen direkt in die Schulen oder laden Kinder für spezielle Kulturvermittlungsangebote in ihre Häuser ein.

Nach einem Pilotprojekt mit dem Museum Rablhaus – drei Workshops an drei Schulen im Bezirk – soll die Initiative nun gemeinsam mit den KUSS-Häusern der Stadt Schwaz weiter ausgebaut werden. Denn auch hier gibt es starke Konzepte und Vermittlungsideen.


Kulturbezirk Schwaz: Kultur für Kinder stärker vernetzen

Im Kulturbezirk Schwaz engagieren sich zahlreiche Menschen – ehrenamtlich wie professionell – im Bereich Kultur. In der Kulturvermittlung kommen Museumskoffer, mobile Museumswägen und andere Outreach-Formate ebenso zum Einsatz wie hauseigene Programme für unterschiedliche Altersgruppen.

Ein längerfristiges Ziel ist es, die Sichtbarkeit dieser Initiativen zu erhöhen und die Vernetzung zu stärken. So soll möglichst vielen Kindern die aktive Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglicht und Kultur damit zu einem festen Bestandteil ihres Alltags werden.


Wenn du mehr über Kulturvermittlung lesen möchtest:

Kulturvermittlung in den Darstellenden Künsten NEKUDAK

Kulturvermittlung Bildnerische Künste

KiKu-Tage 2025 (TT-Artikel)

Museum Mobil: Pilotprojekt mit dem Rablmuseum

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